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Lesen & Rechtschreiben: Wo steht mein Kind – und wie helfe ich richtig?

Autorenbild: Karin Elias
Karin Elias
vor 7 Stunden
3 Min. Lesezeit
lernendes Kind schreibt in ein Heft

Es ist 16 Uhr, die Hausübung liegt auf dem Tisch – und nach zehn Minuten fließen die ersten Tränen. Dein Kind liest stockend, rät Wörter und schreibt „Fata“ statt „Vater“, obwohl ihr das gestern noch geübt habt. Vielleicht fragst du dich: Ist das noch normal – oder steckt mehr dahinter?



Genau darum ging es in meinem Live-Webinar am 7. Oktober. In diesem Beitrag fasse ich die wichtigsten Erkenntnisse für dich zusammen: woran du eine Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS) erkennen kannst, welche Schritte jetzt sinnvoll sind und wie Lernroutinen euren Alltag entlasten.


Warnsignale: Worauf du achten kannst

Vorweg das Wichtigste: Ein einzelner Fehler sagt wenig. Jedes Kind verschreibt sich mal. Aufmerksam solltest du werden, wenn sich bestimmte Schwierigkeiten über Monate oder sogar Schuljahre wiederholen.

Beim Lesen

Dein Kind liest stockend und ohne Rhythmus. Es buchstabiert einzelne Laute, statt sie zu einem Wort zusammenzuziehen. Oft rät es Wörter aus dem Zusammenhang, verrutscht in der Zeile und ist nach kurzer Zeit erschöpft.

Beim Schreiben

Auch nach der ersten Klasse schreibt dein Kind noch so, wie es hört („Fata“ statt „Vater“). Groß- und Kleinschreibung folgen keinem erkennbaren System. Harte und weiche Laute wie d/t, b/p oder g/k werden häufig vertauscht.

Beim Merken

Was gestern noch saß, ist heute wieder weg. Das liegt oft an einem kleinen Arbeitsgedächtnis – dem „Notizblock im Kopf“, der neue Informationen kurz festhält. Ist er klein, braucht dein Kind viel mehr Wiederholung als andere. Mit Faulheit hat das nichts zu tun.

Im Körper

Bauchweh, Kopfweh oder Übelkeit am Morgen vor der Schule können ein Hinweis sein, dass dein Kind sich überfordert fühlt. Nimm solche Signale ernst.


Was du jetzt konkret tun kannst

1. Hefte nebeneinanderlegen. Hol Schularbeiten, Diktate und Hefte aus den letzten Schuljahren hervor. Vergleiche sie: Tauchen dieselben Fehler immer wieder auf? Ein Muster über längere Zeit sagt viel mehr als eine einzelne schlechte Note. Und: Dieser Schritt kostet nichts außer einer ruhigen Stunde.

2. Sehen und Hören prüfen lassen. Bevor du an eine LRS denkst, lass beim Augenarzt und beim HNO-Arzt abklären, ob dein Kind gut sieht und hört. Manchmal liegt die Ursache genau dort.

3. Weitere Fachleute einbeziehen. Hat dein Kind Schwierigkeiten mit der Aussprache, kann Logopädie helfen. Fällt das Schreiben motorisch schwer, unterstützt eine gezielte Förderung der Feinmotorik.

4. Unterstützung in der Schule beantragen. Damit dein Kind im Unterricht zusätzliche Hilfe bekommt, braucht es meist ein Attest der Schulpsychologie. Sprich dazu am besten zuerst mit der Klassenlehrerin oder dem Klassenlehrer.


Lernroutinen, die euren Alltag entlasten

Kinder mit Lernschwierigkeiten brauchen vor allem eines: Verlässlichkeit. Diese fünf Bausteine haben sich bewährt.

Ein fixer Lernplatz. Immer derselbe Ort, aufgeräumt und ruhig. Das Gehirn lernt: Hier wird gearbeitet.

Ein klares Startsignal. Statt „Jetzt fang doch endlich an!“ zählt ihr gemeinsam von 5 bis 1 herunter. Das klingt simpel, nimmt aber viel Druck aus dem Anfang.

Kurze Lerneinheiten. Als Richtwert gilt: Alter × 2 Minuten. Ein achtjähriges Kind kann sich also etwa 16 Minuten am Stück gut konzentrieren. Danach hilft eine kurze Pause mehr als Durchhalten.

Gedankenblitze parken. Mitten in der Mathe-Aufgabe fällt deinem Kind ein, was in der Pause passiert ist? Schreibt es gemeinsam auf einen Notizzettel und besprecht es in der Pause. So geht nichts verloren – und die Aufgabe bleibt im Fokus.

Fragen statt Antworten. Das ist vielleicht der wichtigste Punkt. Wenn du Lösungen vorgibst, ist die Hausübung schneller fertig. Aber dein Kind lernt dabei nicht, selbst einen Weg zu finden. Frag lieber: „Was weißt du schon?“ oder „Wo könntest du nachschauen?“ So wächst die Selbstständigkeit, die dein Kind in den höheren Klassen dringend braucht.


Extra-Tipps bei ADHS

Hat dein Kind zusätzlich ADHS, helfen besonders kleine Portionen. Lieber täglich höchstens fünf Vokabeln als zwanzig auf einmal. Lernkärtchen machen den Stoff greifbar und lassen sich gut zwischendurch wiederholen.

Und ganz wichtig: Haltet euch an die vereinbarten Zeiten – auch dann, wenn es gerade gut läuft. Wer „noch schnell eine Aufgabe“ dranhängt, verspielt Vertrauen. Ein verlässlicher Rahmen erhält die Freude am Lernen.

Du musst das nicht allein schaffen

Wenn du beim Lesen einige Punkte wiedererkannt hast: Das ist kein Grund zur Panik, sondern ein guter Anfang. Wer genau hinschaut, kann gezielt helfen. Fang mit dem ersten Schritt an – den Heften – und such dir eine Lernroutine aus, die ihr diese Woche ausprobiert.

Im nächsten Live-Webinar geht es um Dyskalkulie und Rechnen. Den Termin findest du in Kürze hier auf eliaskarin.com. Du hast Fragen zu deinem Kind? Schreib mir gerne – ich freue mich von dir zu hören.


Karin Elias – Legasthenie- und Dyskalkulietrainerin



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